Sonntag, 24. August 2014

Meine zweite Erfahrung mit Ayahuasca in Amsterdam

Grundlegendes zu Ayahuasca findet ihr in meinem ersten Erfahrungsbericht oder auch auf dieser überaus treffend formulierten Seite. Am besten zuerst lesen, falls das Thema ganz neu für dich ist! :)

Vorgeschichte

Meine zweite Erfahrung mit Ayahuasca war sehr anders als meine erste, wenige Monate zuvor in Peru. Insbesondere die Umstände und die Menschen, mit denen ich unterwegs war. Ganz zentral  war dabei die Tatsache, dass ich mit meinem Bruder Jochen zu der Zeremonie gefahren bin.

Ich hatte ihm damals von meiner ersten Ayahuasca-Erfahrung erzählt. Er war gleich sehr begeistert und erzählte mir, dass er bereits davon gehört hatte und ohnehin mit dem Gedanken spielte, es einmal auszuprobieren, wenn er mich in Peru besuchen käme.

Als ich dann früher als geplant wieder aus Peru nach Deutschland zurückkam, beschlossen wir, uns zu erkundigen, ob es auch in Europa Möglichkeiten gebe, an einer sicheren Zeremonie teilzunehmen. 

Auch an dieser Stelle noch einmal: Bitte nehmt Ayahuasca auf keinen Fall auf eigene Faust ein und ohne die Betreuung eines/r erfahrenen Schamanen/in! Ayahuasca ist mit sehr großem Respekt zu behandeln.

So stießen wir im Internet auf die Schamanin Hannah Klautz, die Zeremonien in Amsterdam leitet, und einigten uns auf einen Termin. Hier geht es zu ihrer Website. 

Ayahuasca-Zeremonie im Mai 2014 in Amsterdam

Setting

Als Jochen und ich an dem Gebäude in Amsterdam ankamen, in dem die Zeremonie abgehalten werden sollte, und das Schild (siehe unten) lasen, sagten wir uns gleich: "Hier sind wir richtig!" 




Der Raum ist ziemlich groß und jeder hat eine große Matratze und sehr viel privaten Platz. Es gibt mehrere Duschen und Toiletten, sowie eine kleine Küche, so dass man sich am nächsten Morgen Tee oder ähnliches zubereiten kann. Wir suchten uns jeder eine Matratze aus und machten es uns bequem. Der Raum wird (leider, wie ich fand) nicht komplett abgedunkelt und da die Zeremonie tagsüber stattfindet, ist es währenddessen noch ziemlich hell.


Einnahme

Nachdem Hannah einige einleitende Worte gesagt hatte, nahmen wir alle zunächst einen MAO-Hemmer ein, und dann erst 20 Minuten später den Ayahuasca-Wein, so dass der MAO-Hemmer erst im Magen wirken und bestimmte Enzyme blockieren kann. Der MAO-Hemmer verbessert die Aufnahme und Wirksamkeit von Ayahuasca. Normalerweise wird er einfach zusammen mit Ayahuasca getrunken.


Wirkung lässt auf sich warten…

Es dauerte sehr sehr lange, bis Ayahuasca sowohl bei mir als auch bei meinem Bruder richtig wirkte bzw. "durchkickte" – d.h. mindestens 4 Stunden.
Ich weiß nicht woran es lag.
Eine Vermutung ist, dass Ayahuasca generell eine weniger starke Wirkung entfaltet, wenn man es fernab ihrer Heimat Südamerika einnimmt. Es kann aber auch sein, dass das gar keine Rolle spielt.

Es kann auch bei mir daran gelegen haben, dass ich innerlich ziemlich blockiert war.
Ein Grund dafür war, dass ich gedanklich die ganze Zeit bei Jochen war und die Wirkung bei ihm beobachtete und hoffte, dass die Medizin ihm helfen würde. Da sie bei ihm auch erst sehr lange nicht wirkte, oder jedenfalls nicht so wie erwünscht, machte ich mir die ganze Zeit Sorgen darum, dass selbst Ayahuasca ihm nicht helfen könne. Wir hatten beide sehr große Hoffnungen in die Medizin gesetzt. Dies hielt mich davon ab, mich ganz meiner eigenen Erfahrung hinzugeben, ganz abzudriften.

Ein weiterer Grund dafür, dass die Wirkung bei mir nicht richtig einsetzte, lag wohl darin, dass ich Angst hatte. Ich hatte die Erlebnisse aus meiner ersten Zeremonie noch nicht ganz verarbeitet und hatte Angst, wieder aus meinem Körper zu geraten, und dann nicht mehr jederzeit zurück zu können. Meine Angst war so groß, dass ich jedes Mal, wenn ich gerade kurz davor war, abzudriften, die Augen öffnete und mich wieder des „Hier und Jetzt“ besann. Da der Raum nicht ganz dunkel war, gelang mir das ganz gut. Die Helligkeit war also vielleicht auch einer der Gründe, warum die Erfahrung nicht so intensiv war. Aber ich habe im Grunde keine Ahnung und kann nur spekulieren.

Ich lag oder saß also mehrere Stunden  auf meiner Matratze und fühlte mich nicht sonderlich gut. Ich hatte Angst und bekam Herzrasen, sobald ich das Gefühl hatte, es gehe gleich wieder richtig los. Ich versuchte mich immer innerlich zu beruhigen und sagte mir, dass es ja nicht mehr lange dauern würde.
Die Angst war auch der Grund, weshalb ich keine weitere Portion verlangte. Ich genoss, dass das Erlebnis nicht so heftig war wie beim ersten Mal. Ich sah viele Bilder und Formen, die eher dunkler, weniger farbig/strahlend waren, und ich fühlte ich mich weniger Teil des Ganzen als beim ersten Mal. Ich ließ auch gar nicht zu, intensiver hineinzugehen.

Ich war einerseits froh und erleichtert, dass Ayahuasca meine Bitte erhört hatte und ich diesmal alles viel sanfter und langsamer erlebte. Ich hatte den Eindruck, dass diesmal nur das möglich war, was ich auch bewusst zuließ. 
Andererseits fühlte mich emotional zusehends schlechter. Ich fühlte mich getrennt vom Göttlichen, als sei diese Verbindung für den Rest meines Erdendaseins gekappt. Fühlte mich traurig, leer und einsam. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass dieses eine Mal in Peru vielleicht das einzige Mal in meinem Leben war, wo es mir vergönnt war, eine solch intensive und tiefe Glückseligkeit und Verbindung zum Göttlichen zu empfinden.  Ich habe zu Hause eine Liste mit Dingen, die mich glücklich machen. Ich hatte vorher Ayahuasca darauf geschrieben und stellte mir nun im Geiste vor, dass ich es streichen müsse. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen überhaupt jemals wieder Glück zu empfinden. Ich fühlte mich allein und dachte, dass ich hier fehl am Platze sei.

Ich blickte auf mein Leben und alles kam mir trist und grau vor, ähnlich wie beim ersten Mal, nur, dass ich diesmal nicht gleichzeitig das „Himmelreich“ erfuhr. Ich sah mich in meinem Zimmer zu Hause mit meiner Nichte, in einer Szene, in der ich eigentlich sehr glücklich gewesen sein müsste. Doch die Szene war irgendwie inhaltslos und „matt“ und es war als sagte jemand zu mir: „In deinem tristen Menschendasein wirst du nie erfahren, was Glück wirklich ist.“

Ich hatte mir zu Beginn der Zeremonie drei Intentionen überlegt. Erstens wollte ich mich wieder mit dem Göttlichen verbinden, wie beim ersten Mal; zweitens wollte ich wissen, was meine Lebensaufgabe ist; drittens wollte ich Jochen helfen. In den ersten 4 Stunden wurde keine einzige dieser Intentionen erfüllt und ich fühlte mich enttäuscht und bereute es, hergekommen zu sein.

Glücklicherweise war mir immerhin viel weniger schlecht als beim ersten Mal. Ich übergab mich 2 oder 3 Mal ein wenig. Es kamen kleine dunkle Materiefetzen aus meinem Magen. Ich kann nicht sagen, ob es Reste vom Gebräu waren (man trinkt Ayahuasca auf nüchternen Magen), oder ob es tatsächlich, so wie manche behaupten, Giftstoffe waren, die die Medizin in meinem Körper gebündelt und zutage befördert hatte. Jedes Mal danach fühlte ich mich viel besser und befreit.

Nachschlag
Hannah gab uns mehrmals die Möglichkeit, eine weitere Portion zu trinken, und Jochen trank 3 oder 4 Portionen, was wirklich eine ganze Menge ist, zumal die meisten mit einer Portion mehr als genug haben! Als es immer noch nicht bei ihm wirkte (außer, dass er sich schwerfällig und müde fühlte), teilte Hannah ihm mit, dass es leider so sei, dass eben bestimmte Menschen resistent gegen Ayahuasca seien und es bei ihnen einfach nicht wirke. Ich sah den tief traurigen Blick in den Augen meines Bruders und fühlte mich schrecklich.

Musik

Hannah gestaltet ihre Zeremonien komplett anders als der Schamane Alonso, bei dem ich in Peru, bei meiner ersten Session war. Zum einen wird die Musik vom Tonband abgespielt und ist im Gegensatz zu der Gitarrenmusik von Alonso ganz langsam, tief und ruhig, und fast ohne Vocals. Sie singt auch teilweise selbst, jedoch, soweit ich es verstanden habe, nur um etwas Bestimmtes (siehe unten) damit zu bewirken. 
Diese Art von Musik hatte eine völlig andere Wirkung auf mich als die Musik damals in Peru und hat vermutlich auch zu einer ganz anderen Erfahrung geführt.
Die sehr lebhafte und emotionale Musik in Peru hat mich sehr schnell sehr "hoch" befördert. Die tiefe und sonore Musik hingegen geht mehr durch tiefe Schichten des Körpers. Mein Bruder fand die Musik sehr schön, ich hingegen fand sie zeitweise geradezu unangenehm, was ich aber als Hinweis darauf deute, dass zu dem Zeitpunkt etwas in mir noch blockiert war, vermutlich im Zusammenhang mit meinem Wurzelchakra.

„Ende“ der Zeremonie

Als die Zeremonie beendet wurde und Hannah abschließende Worte sprach, fing Ayahuasca erst richtig für mich an. Es wurde lebhaftere und fröhlichere Musik gespielt. Ich war plötzlich wieder in der wunderschönen, unendlichen, bunten Welt aus Farben und Mustern. Ich fühlte mich wieder verbunden. Ich war plötzlich wieder an diesem unendlichen und zeitlosen "Ort" unendlicher Liebe und unendlichen Glücks, und es kam mir so vor, als wäre ich seit meiner letzten Zeremonie gar nicht weg gewesen - ich war nicht weggewesen! Dort gibt es keine Zeit. 

Manche der anderen Teilnehmer im Raum und Hannah fingen an zu tanzen. Ich stand auf und tanzte ein bisschen mit. Dann merkte ich wie der Raum sich veränderte und ich in eine andere Dimension eintauchte. Es ist sehr schwer zu beschreiben. Es war wie eine andere Energie-Ebene desselben Raumes. Es erschreckte mich zwar, aber gleichzeitig fühlte ich mich unsagbar glücklich. Ich konnte allerdings nicht sehr lange aufrecht stehen bleiben - es war einfach zu überwältigend - und setzte mich auf den Boden. Ich musste die Augen schließen und mich der Farbenwelt hingeben. 

Mir wurde klar, dass ich völlig vergessen hatte, was Ayahuasca war und ahnte, dass ich es zurück im Menschenleben auch wieder größtenteils vergessen würde. Ayahuasca ist unfassbar groß und weit und heilig. Mir wurde klar, dass es überhaupt keinen Grund dafür gab, Angst zu haben. Denn in Ayahuasca ist alles gut, alles ist Liebe und alles fühlt sich einfach unbeschreiblich schön an. Man fühlt sich geliebt, beschützt und geborgen. Schon vor meiner ersten Zeremonie hatte mein Freund Denis zu mir gesagt, egal, was in so einer Zeremonie passiere, es sei immer alles gut. Und das kann ich nur absolut bestätigen. Selbst, wenn man durch Turbulenzen geht. Irgendwo ist immer diese Sicherheit, dass im Grunde alles gut ist. Die Medizin zeigt einem die Wahrheit.

Parallel zu meinem eigenen „Erwachen“ fing auch bei meinem Bruder die Medizin an zu wirken.

Ich ging zu ihm herüber, denn ich spürte, dass irgendetwas im Gange war. Er lag mit seiner dreifach verdunkelnden Spezial-Schlafmaske auf den Augen auf der Seite und schien in irgendetwas versunken. Ich näherte mich ihm vorsichtig und machte Anstalten, mich neben ihn zu hocken. Doch ich spürte, dass es nicht der richtige Moment war und dann machte er auch gleich eine Geste, die mir genau dies verdeutlichte: Er hob ganz behutsam seine Hand und machte einen Zischlaut, wie um mich zu verscheuchen. Dann sagte er noch „ich bin hier noch was am ausbaldowern“ und grinste in sich hinein. Später erzählte er mir, dass er mich schon da als einen Geist empfunden hatte, den er trotz geschlossener Augen sah und den er nur wegpusten musste.

Ich ging zurück zu meinem Platz und lachte längere Zeit vor mich hin. Ich lachte einerseits über das „ausbaldowern“, andererseits aus Freude und Erleichterung darüber, dass irgendetwas in ihm begonnen hatte. Dann kam William, einer der Assistenten von Hannah, zu uns und fragte, ob es jetzt bei ihm wirke. Ich lachte und sagte, „Ich weiß es nicht – vielleicht!“. Er ging dann zu ihm und hielt lange seine Hand.

William

William war an diesem Abend als Assistent von Hannah dabei. Er hat auf mich gleich, als wir uns bekannt machten, energetisch wie ein Bär gewirkt. Jochen und ich nennen ihn den „Grizzly“, weil Jochen ihn auch so wahrgenommen hat und er später selbst erzählte, dass sein Krafttier ein Grizzly sei. Er trug auch eine Kette mit einem Grizzly-Bären-Anhänger. Seine Anwesenheit war unheimlich gut und wichtig für Jochens Erfahrung. Er hat zwischen mir und Jochen eine Brücke geschlagen und hat Jochen gezeigt, welches Entwicklungspotenzial noch in ihm steckt. Ich war sehr dankbar, dass er da war.

Als er wieder von Jochen abließ, kam William zu mir herüber. Ich war gerade wieder in meine eigene Welt abgetaucht und brauchte einen Moment, um wieder zurück ins Hier zu kommen. William teilte mir mit, dass Jochen jetzt für mich bereit sei. Außerdem sagte er, dass Jochen vom Wesen her genau so sei wie er selbst und er noch vor wenigen Jahren so gewesen sei wie er jetzt. Einerseits von der Statur und Ausstrahlung her (sehr stark, stolz, unnahbar, „unverletzbar“/"unkaputtbar"), andererseits weil Jochen auch eine Art Schutzmauer um sein Herz herum aufgebaut hat.
William hat zu Jochen, ganz am Ende, kurz bevor er nach Hause ging, und wir zusammen bei ihm saßen, einen schönen Satz gesagt: "We go out and fight, but we come home to love."

Ich ging zu ihm und saß dann die nächsten 3 oder 4 Stunden an seinem Platz und hielt die meiste Zeit über seine Hand. Da ich selbst auch noch „in“ Ayahuasca war, es aber glücklicherweise so dosieren konnte, dass ich gleichzeitig im Hier agieren konnte, waren diese Stunden an seiner Seite unglaublich intensiv und wunderschön. Ich spürte seine Gefühle, seine und meine Gefühle wurde eins. Ich spürte ganz viel Liebe zwischen uns fließen, spürte auch seinen Schmerz und hatte teilweise das Gefühl, dass  sein Schmerz wie Wogen durch meinen Körper strömte und durch ihn hindurch hinausgelassen wurde. Ich weinte und lachte gleichzeitig. All meine Übelkeit und meine negativen Gedanken und Gefühle waren längst verflogen und ich genoss es, meinem Bruder auf dieser Ebene zu begegnen.  

Ohne darüber nachzudenken, sagte ich Dinge zu ihm, die direkt aus meinem Herzen zu kommen schienen und genau das zu sein schienen, was er zu hören brauchte. Ich redete über Liebe und Heilen und es kam mir vor, als sei jedes einzelne Wort genau richtig und heilig. Auch er weinte, sagte aber kaum etwas und brauchte aber offenbar meine und/oder Williams Anwesenheit. Das Schönste an allem war: Ich spürte, wie sein Herz sich öffnete, und verstand, dass wir genau dafür hergekommen waren. Er griff immer wieder nach unseren Händen und Körpern und brauchte die Berührung. (In der Chakra-Lehre erfährt man, dass das Herzchakra auch sehr viel mit körperlicher Berührung zu tun hat…) 

Später fing ich an für ihn zu singen, ich sang alle möglichen Lieder, die wir beide von früher kennen, und die für mich eine Bedeutung haben. Obwohl mein logisches Denkvermögen gewissermaßen reduziert war, erinnerte ich mich ohne Probleme an alle Texte und das nächste passende Lied kam mir immer in den Sinn, ohne dass sich darüber nachdenken musste.

Einige der anderen Teilnehmer hatten sich bereits von ihren Plätzen erhoben und bewegten sich im Raum. Ein Pole und eine Holländerin, die neben uns gesessen hatten, saßen nun auf einer Bank hinter uns, turtelnd und Händchen haltend. Als ich gerade weinend und lachend Jochens Hände hielt, blickte ich kurz zu ihnen rüber und merkte, dass sie auch lachten und sich total für uns freuten. Wir unterhielten uns kurz und ich erzählte ihnen, dass er mein Bruder sei. Ich meinte dann zu ihnen, wie wunderschön es sein müsse, das hier als Paar gemeinsam zu erleben. Sie lachten nur und meinten, sie hätten sich gerade erst kennen gelernt und seien gar kein Paar. Ich lachte und sagte (auf Englisch), well, you are now! Wobei ich mit „now“ nicht meinte „von nun an“, sondern einfach nur „jetzt“. Es war schön und ich fühlte mich auch mit den beiden sehr verbunden. Später lag ich auch eine Weile bei ihnen, wir umarmten uns und ich fühlte mich wie bei alten Vertrauten. 

Bei den beiden Ayahuasca-Zeremonien, die ich bislang erlebt habe, hat sich jedes Mal am Ende eine ganz besondere Atmosphäre im Raum eingestellt. Der Raum ist irgendwie verwandelt, alles ist so voller Liebe und man fühlt sich mit allen anderen verbunden. Es ist kein Ego mehr da. Man liebt einfach nur noch. Einfach wunderschön und echt.

Nachdem ich mit den beiden gesprochen hatte, beschlossen sie sich mit ein paar anderen zusammenzutun und sich zu Jochen zu hocken. Sie alle hielten ihre Hände über seinen Körper und sandten ihm Liebe zu. Da ich Jochens Hand hielt, spürte ich einen Schwall der Liebe zu mir hindurch kommen. Einfach unbeschreiblich.

An dieser Stelle möchte ich einwerfen, wie Jochen diese Situation empfunden hat. Er hatte ja die ganze Zeit die Schlafmaske auf und hat verbal kaum mit uns kommuniziert. Jedenfalls soweit ich es mit meinen Worten wiedergeben kann. Er hat uns alle als „Geister“ oder Engel wahrgenommen, sein Bewusstsein befand sich also in einer anderen Energiedichte. Als William ihm die Hand gab, hat er darin alles Mögliche gespürt, einerseits sich selbst, wie er sein könnte, dann eine Vaterfigur und Gott. Er hat in diesem Moment realisiert, dass es noch viel mehr gibt außer der uns bekannten Realität.

Jochen hat keine der berüchtigten Ayahuasca-Muster gesehen und auch sonst keine Farben oder Muster. Dafür hat er eine ganz intensive emotionale Erfahrung gemacht. Seine wichtigste Erkenntnis war, dass er sein Leben lang (zumindest als Erwachsener) immer nur alles mit dem Verstand entschieden hat und vergessen hat, auf sein Herz zu hören - und das darin der Schlüssel liegt.

Er hat sich auch nicht übergeben. Es ist zu vermuten, dass Ayahuasca bei ihm noch nicht ganz durchgekommen ist. Man kann es sich so vorstellen: Ayahuasca ist in energetischer Hinsicht reines Licht und reine Liebe. Wenn sie in unseren Körper kommt, durchdringt sie alle Zellen mit diesem Licht – oder versucht es zumindest. Besteht nur ein relativ geringer Widerstand, so werden die Zellen mit dem Licht durchspült und alles, was dem Licht widersteht, wird mitgenommen und der Körper davon gereinigt, indem man sich übergibt. Ist jedoch der Widerstand zu groß, kann es sein, dass das Licht nicht ganz durchkommt und sozusagen nicht gegen die Verhärtungen ankommt. 
William hat erzählt, dass es bei ihm zwei Jahre gedauert habe, bis Ayahuasca richtig durchgekommen sei. Jochen hatte öfter mal das Gefühl, gleich wäre es so weit und er könne sich übergeben, aber es ging nicht. Parallel dazu sah er, erkannte er, was das energetische Pendant zu dem übergeben war: so etwas wie die Auflösung aller irdischen Ich-Identifikation und die Verbindung mit der allumfassenden Liebe.

Jochen schwebte noch weiter in einer anderen Dimension während einige Teilnehmer sich bereits verabschiedeten. Schließlich gingen sogar William, seine Freundin und Hannah und ließen uns mit den paar anderen Leuten, die auch in dem Raum übernachteten, allein. Bevor Hannah ging (es muss nach Mitternacht gewesen sein), bestand sie darauf, dass wir Jochen erst wieder zurückholten, weil es ihr bereits ungewöhnlich vorkam, dass es so lange dauerte. Also nahm ich seine Schlafmaske ab und er realisierte langsam wieder, wo er war.
Wir schliefen beide irgendwann ein und tauschten uns erst am nächsten Morgen über unsere Erlebnisse aus...
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Meinen Bruder und mich hat schon immer eine gewisse Sehnsucht danach verbunden, „hinter den Vorhang“ zu schauen. Wir haben beide schon immer gespürt, dass das Leben mehr sein müsse, als diese uns hier bekannte und wahrnehmbare Realität. Diese Sehnsucht hat vor vielen Jahren sogar dazu geführt, dass wir gemeinsam versuchten, uns das Leben zu nehmen. Das war definitiv keine gute Option und ich bin unendlich froh und dankbar, dass es damals nicht geklappt hat und wir nun andere Wege gefunden haben, hinter den Schleier der materiellen Realität zu „blicken“.


Fazit

Für mich persönlich habe ich nicht ganz so tiefgreifende Erkenntnisse geschöpft, wie beim ersten Mal. Die "Reise" war viel weniger intensiv und ich war schließlich auch nur relativ kurz in meinem "eigenen" Ayahuasca. Ich habe aber zB aus den ersten Stunden, in denen ich meinte, es wirke nicht, gelernt, immer an mich zu glauben und die Hoffnung nicht aufzugeben. Es hat nämlich durchaus gewirkt. Nämlich indem es mir meine eigene Negativität und Hoffnungslosigkeit in vielfach verstärkter Weise vor Augen geführt hat. Auch, wenn ich mich einmal nicht mit Gott verbunden fühle, soll ich nicht vergessen, dass auch das immer vorbei geht  - „Auch das geht vorbei“ (E. Tolle) -  und nach jedem Regen der Sonnenschein winkt.

Vielleicht sollte ich daraus auch noch einmal erkennen, wie wichtig es ist, das Glück und die göttliche Verbindung auch im „normalen Leben“ stets lebendig zu halten. In jeder Sekunde meines Lebens, in jeder Pore meines Körpers. Wenn auch wohl kaum in dem Maβe, in der Weite und Herrlichkeit wie es Ayahuasca mir gezeigt hat, aber dass ich doch nie, niemals vergessen darf, dass jeder einzelne Moment des Lebens heilig und göttlich ist. Denn nur so können wir den Himmel auf Erden leben. 

Doch, wie macht man das eigentlich? Müssten wir dazu nur auf einen Knopf drücken, wäre ja alles klar. Einmal mein göttliches Sein spüren, bitte! Und alle würden es sofort tun! Ist es nicht so? Nein… die meisten tun es nicht. Doch (fast) genauso einfach ist es! Um die Göttlichkeit in uns zu spüren, müssen wir nichts weiter tun, als in uns hinein zu spüren, alle Nebengeräusche (Gedanken) zur Ruhe kommen zu lassen, einfach zu sein. Wirklich wir selbst sein. 

Wir müssen nichts weiter machen, als still dazu sitzen und tatsächlich NICHTS zu machen – nichts zu denken, aber dabei aufmerksam zu bleiben. Gefühle einfach mal nur da sein lassen, ihnen Raum geben, in sie hinein spüren, auch wenn wir sie zunächst als „unangenehm“ empfinden. Auch „negative“ Gefühle wollen einfach nur gefühlt werden – und das Gute ist, wenn man ihnen diese Gelegenheit gibt, ziehen sie auch wieder vorüber. 
Unterdrückt man sie jedoch unnachgiebig und wehrt sich gegen sie, weil man Angst vor ihnen hat, wird die Angst vor ihnen immer größer und wir entwickeln Verhaltensformen, um die Gefühle daran zu hindern, an die Oberfläche zu kommen. 

In der Stille können wir diese Gefühle anhören und loslassen. Können herausfinden, was für wunderbare Gefühle da auch noch in uns wohnen und im normalen Alltagsgeschehen gar keinen Platz bekommen, gefühlt und gelebt zu werden. In der Stille haben wir Gelegenheit, wahrzunehmen, dass wir mehr sind als unsere physischen Körper, dass wir tatsächlich eine Seele sind, die nur vorübergehend in diesem physischen Vehikel wohnt.

Meditation erfordert ein wenig Übung und Geduld. Aber je mehr man es regelmäßig trainiert - 15 Minuten pro Tag sind ein sehr wirkungsvoller Einstieg - um so leichter fällt es auch, immer wieder "reinzukommen" und tiefer zu gehen.

Nachwirkungen

Ich habe mich nach dieser Sitzung sehr sehr erschöpft gefühlt, sogar noch einige Tage später. Ich hatte Angst, nie wieder in meine alte, richtige Form hineinzufinden. Ich glitt sogar wieder für ein paar Wochen in eine Depression. Doch auch das ging vorbei… und ich habe wieder viel gelernt und bin glücklicher und weiser als wie zuvor. Ich erwähne das, weil ich weiß, dass es vielen so geht, dass sie nach einer Ayahuasca-Sitzung erstmal wieder in eine Depression oder irgendwelche alten negativen Denkmuster verfallen, bevor sie dann endlich den Nutzen der Sitzung erfahren dürfen.  

Es scheint zum Heilungsprozess dazuzugehören und zeigt eben, dass Ayahuasca kein „Zaubermittel“ in dem Sinne ist, dass alles einfach ohne unser Dazutun wieder gut wird oder uns quasi automatisch auf eine höhere Entwicklungsstufe verfrachtet. Ayahuasca ist in erster Linie dazu da, uns zu zeigen, wo es überhaupt hingeht und was es zu heilen gilt. Heilen und entwickeln müssen - dürfen - wir uns letztlich selbst. Dazu bin ich heute auf ein schönes Zitat gestoßen:

„Magie fordert von dem, der sich mit ihr wirklich nutzbringend beschäftigen will, die härteste Arbeit überhaupt – die Arbeit an sich selbst. Die weiße Mage ist ein spiritueller Weg, um durch das Leben zu gehen, der Weg zur Selbstverwirklichung“. (Ansha)

Rückblickend wurde mir auch klar, dass meine drei Intentionen letztlich alle erfüllt worden sind: Ich habe mich wieder mit der göttlichen Kraft verbunden; ich habe meinem Bruder geholfen und ich hatte eine wundervolle Aufgabe. Ich weiß noch nicht ganz konkret, was meine Lebensaufgabe ist, aber abstrakt formuliert lautet sie in etwa so: "glücklich sein und anderen helfen". Wie genau, das bin ich noch am ausbaldowern... ;D


Neben-Plot

Parallel zu unserer persönlichen Geschichte bekamen wir mit, wie Hannah unsere Zeremonie vor dunklen Einflüssen beschützte. Ich möchte davon hier im Anschluss erzählen, weil es mit unserer Erfahrung eigentlich nichts zu tun hat.

Für die meisten wird das jetzt vollkommen abgefahren klingen, aber Hannah hat sich nach eigener Aussage darauf spezialisiert, „böse Geister/Dämonen/dunkle Energien“ zu vertreiben, um die Teilnehmer der Zeremonie einerseits von diesen zu befreien und sie andererseits von den anderen Teilnehmern fernzuhalten. Ihrer Aussage nach kann es nämlich passieren, dass diese dunklen Energien während so einer Zeremonie in einen Körper schlüpfen, da der Körper sich energetisch ganz öffnet, insofern nicht ein erfahrener Schamane dabei ist und aufpasst. 

Ich selbst habe nur beobachten können, wie sie arbeitet, aber nicht an mir selbst erfahren. Aber ich halte mittlerweile so ziemlich alles für möglich. Ich kann nicht beurteilen, was da eigentlich abläuft, aber ich finde es wichtig, das zu erwähnen, weil man auch negative Geschichten über Ayahuasca hört und Hannah selbst eindringlich davor warnt, Ayahuasca zu nehmen, ohne, dass jemand dabei ist, der es versteht, dunklen Energien in ihre Schranken zu weisen.

Rechts neben uns saß ein junger Mann aus Polen, ich glaube, er hieß Marek - ich will ihn der Einfachheit halber hier so nennen. Marek fing vor der Zeremonie eine kleine (friedvolle) Diskussion mir der Schamanin, Hannah, an. Es ging darum, dass Hannah ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass Personen, die unter schweren psychischen Erkrankungen leiden, entweder nicht teilnehmen dürfen, oder zumindest lange genug im Voraus darüber Bescheid geben müssen. Marek litt an einer Psychose und an Paranoia, war sich aber ganz sicher, dass er teilnehmen wollte. Er hatte sich vorher intensiv informiert und war sich sicher, dass Ayahuasca und Hannah ihm helfen konnten. Nach einigem Hin und Her willigte Hannah ein, mit der Einschränkung jedoch, dass er auf keinen Fall eine zweite Portion bekommen würde.

Kurz nachdem wir alle den „Zaubertrank“ zu uns genommen hatten, teilte Hannah uns mit, dass sie bereits ein paar dunkle Wesen (entities) ausgemacht habe und sich als nächstes darum kümmern werde, diese auszutreiben. Sie nahm Marek kurz danach mit in einen Nebenraum und in den nächsten Minuten hörte man, wie Hannah auf Portugiesisch und Holländisch Icaros oder eine Art „Zaubersprüche“ aufsagte und sang, um den Dämon in Mareks Bauch zu vertreiben. Zwischendurch hörte man, wie Marek sehr laut etwas aus seinem Körper hinausspie (erinnerte mich wieder an den Drachenschwanz, den ich bei meiner ersten Zeremonie ausgespuckt hatte). Marek erzählte dann später, dass sowohl die Paranoia als auch das dunkle Wesen, das er in seinem Bauch gespürt hatte, nun weg seien.  

Hannah hat im Laufe der Sitzung noch weitere „böse Geister“ vertrieben. Ich hatte den Eindruck, dass es für sie sehr anstrengend sein müsse und dass sie ziemlich erschöpft sei. Einmal stand sie im Raum und hat mit Hilfe des Erzengels Michael, der nach ihren Angaben ihr wichtigster Helfer ist, einem weiteren „Dämon“ den Gar ausgemacht. Er war in einem der anderen Teilnehmer und ist dann durch ihren eigenen Körper hindurch – sie hat sich übergeben – hinausgekommen.

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Ganz zum Abschluss möchte ich nochmal sagen, wie unsagbar dankbar ich bin, dass Ayahuasca in mein Leben getreten ist und ich diese wundervollen Erfahrungen machen darf. Ich empfinde diese Pflanzenheilkraft als heilig und empfinde den tiefsten Respekt vor ihr. 

Ich verbeuge mich :-) 

Namasté

<3 <3 <3

PS: Hier geht es weiter zum Bericht über meine dritte Zeremonie.

1 Kommentar:

  1. Ein wirklich toller Bericht, vielen Dank dafür! Ich möchte auch die Ayahuasca Zeremonie bei Hannah mitmachen und habe dadurch deine Seite gefunden. Werde mir jetzt auch deine anderen Berichte durchlesen :-)

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